„Eine Zensur findet nicht statt“

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe den Film „Innocence of Muslims“ nicht gesehen und bei allem, was ich darüber gelesen habe, scheint es mir auch kein besonders sehenswerter Film zu sein.

Mir geht es um etwas anderes: Wenn Innenminister Friedrich und eine breite Koalition aus Bischöfen, Politikern und Medienleuten sich dafür einsetzen, dass ein Film in Deutschland nicht gezeigt werden soll, weil er die religiösen Gefühle von „den Muslimen“ (unterstellt, dass alle Muslime dieselben religiösen Gefühle haben) verletzen könnte, läuft meiner Meinung nach etwas falsch. Sicher, der Film mag geschmacklos sein – aber das sind andere Filme auch (Life of Brian findet man auf Youtube übrigens bedeutend besser und häufiger…).

Einmal mehr werde ich das Gefühl nicht los, dass unsere Gesellschaft lieber mit ihrer Meinung hinterm Berg hält, als sie hinterher in einer Diskussion verteidigen zu müssen. Anstatt die Kontroverse zu suchen und sich sowohl mit den islamfeindlichen als auch mit den religiös verblendeten Spinnern auseinander zu setzen, wollen wir Aufführungsverbote hinnehmen, wenn der Tenor eines Films nicht der Mehrheitsmeinung der Gesellschaft entspricht. Wobei sich die Frage stellt, ob „Innocence of Muslims“ nicht vielleicht auf Zustimmung in überraschend großen Teilen der Bevölkerung stoßen würde – und ob es das ist, wovor sich Politiker und Medienleute fürchten. Dann allerdings sollte uns wirklich bange werden um den Zustand unserer Demokratie.

Aber in der arabischen Welt kommt es überall zu gewaltsamen Ausschreitungen – das kann uns doch nicht kalt lassen! Stimmt; Nur ist das ein Ausdruck mangelnder Konfliktfähigkeit einzelner, religiöser Eiferer. Oder anders ausgedrückt: Dass es Einzelne gibt, die auf eine Provokation, wie der Film sie vielleicht darstellt, nicht wie zivilisierte Menschen reagieren und augenscheinlich keine Streitkultur haben, die den Beisatz Kultur verdient, sollte doch für den Rest der Menschheit kein Grund sein, mit diesen Einzelnen nicht mehr zu streiten. Wer so handelt, überlässt das Feld der Meinungsfindung kampflos denjenigen, die es am schlechtesten bestellen können.

Mir ist es zu platt, hier die typisch deutschen Drittes-Reich-Analogien zu sehen, aber eine Demokratie muss von den Bürgerinnen und Bürgern mit Engagement und Mut verteidigt werden. Die Feinde unserer Gesellschaft schlafen nicht. Sollen diejenigen, die sich jetzt am lautesten beschweren, doch auch einen Film machen, der sich über Jesus oder die Atheisten lustig macht. Wir werden ihn vielleicht geschmacklos finden und im Feuilleton zerreißen – brennende Häuser wird es nicht geben.