Über Rassisten und Interpretationen

Bevor jetzt wieder alle reflexartig in Schnappatmung verfallen und Jörg-Uwe Hahn zum Rassisten stempeln: Er hat nicht gesagt, Rösler sei für das Amt des Vizekanzlers seiner asiatischen Herkunft wegen ungeeignet. Man lese das Interview! Darin steht:

Frage: Ist die Debatte um Rösler also beendet?
HAHN: Ja. Wir werden sicherlich noch eine kleine Personaldebatte bekommen über die Frage der Besetzung des FDP-Präsidiums auf Bundesebene auf dem Sonderparteitag Anfang März. Also, ob Herr Niebel und Herr Kubicki etwa nochmal eine Rolle spielen. Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.

Kurze Textinterpretation: Es wird als Fortschritt dargestellt, wenn eine Gesellschaft mit einem asiatischen Vizekanzler keine Probleme hat.

By E-W (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Jörg-Uwe Hahn

Daran ist ja wohl nicht viel auszusetzen. Gleichzeitig wird infrage gestellt, ob unsere Gesellschaft diesen Fortschritt schon vollzogen hat. Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein – es ist, wenn überhaupt aber ein Vorwurf an die Gesellschaft, nicht offen und tolerant genug zu sein.

Man muss schon ziemlich verquer denken, um in Hahns Aussage „Rassismus in Reinkultur“ (Linkspartei-Chef Bernd Riexinger) zu sehen. „Dass Herr Hahn infrage stellt, ob unsere Gesellschaft einen „asiatisch aussehenden Vizekanzler“ noch länger akzeptiert“, wie der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph, unterstellt, ist einfach falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Aber das macht halt nicht so schöne Schlagzeilen.