Über die Unvollständigkeit der digitalen Revolution

Wie viele Millionen Fernmeldungen die NSA als Input ihres „Staubsaugerverfahrens“ pro Jahr entziffert oder abhört, ist unbekannt; der entsprechende Jahres-Output an Geheimdokumenten liegt jedenfalls zwischen 50 und 100 Millionen – mit allen Müllproblemen, die moderne Datenlawinen machen. […]

Der Jurist Bamford verlegt „das Hauptproblem bei den beiden Revolutionen, dem gewaltigen Fortschritt bei der Verwendung der Satelliten und der Mikrowellentechnologie und der ungeheuren Ausweitung der elektronischen Fernmeldeaufklärung“, in die Tatsache, „daß dort, wo eine dritte Revolution hätte stattfinden müssen, eine riesige Lücke besteht: Es gibt keine klaren gesetzlichen Bestimmungen für den Umgang mit dieser Technik.“

Auszug aus:„Jeder kennt den CIA, was aber ist NSA?“ – erschienen am 11. Oktober 1986 in der taz.

Auch wenn der Artikel technisch sicherlich überholt ist (als ob 99,9% der weltweiten Kommunikation an der NSA vorbeigingen…) , ist er doch erschreckend treffend. Die Computer haben in den letzten 30 Jahren Einzug gehalten in unsere Firmen (und unsere Leben) und Kryptographie ist zur allegemeinen Herausforderung geworden. Selbst dass die NSA nurmehr versuchen kann, US-Firmen zur künstlichen Schwächung ihrer Sicherheitstechnologie zu überreden, sagt Friedrich Kittler voraus! Und leider hat er auch mit der Quintessenz Recht behalten:

Was automatische Datenverarbeitung stoppt oder doch limitiert, sind nicht Gesetze, sondern Technologien.