Warum ich Mozilla doch nicht boykottiere

Ich könnte mich ja schon wieder aufregen. Mozilla ist jetzt ein paar Jahre am Markt (und das mit ziemlichem Erfolg), und steht wie keine andere Organisation dafür, das Internet zu einem Ort der Freiheit zu machen. Ich möchte sagen, dass ich wohl kaum jemandem so viel Vertrauen entgegenbringe wie den Menschen hinter Firefox und Thunderbird (und einer Reihe anderer toller Dinge). Und jetzt wird das Unternehmen böse.FirefoxP8Brendan Eich mag ein toller Programmierer sein (auch, wenn viele Webentwickler über Javascript fluchen, muss man es wohl als wahnsinnigen Erfolg werten), aber er ist eben auch ein Unterstützer von Proposition 8, so ziemlich der schlimmsten Hetzkampagne, der sich LGBTTI-Menschen in einem westlichen Staat in den letzten Jahren ausgesetzt sahen (die Ausschreitungen in Frankreich waren zumindest nicht so „erfolgreich“).

Und das, was er da so auf die Aufregung erwidert hat,  kann man auch als „och, jetzt habt euch doch mal nicht so“ interpretieren. Eine Entschuldigung (…aus der auch der psychologische Laie erkennen könnte, dass ihm sein Verhalten Leid tut und dass er seine Spende für Prop8 heute für einen Fehler hält…) hätte jedenfalls anders aussehen müssen. Unterminiert hier Mozilla mit seiner Entscheidung, so jemanden zum CEO zu machen, Freiheit und Menschenrechte? Ist ein Boykott des Unternehmens also die einzig richtige Antwort?Statista-Infografik_427_globale-marktanteile-webbrowser-

Ein Unternehmen ist natürlich mehr als sein CEO (und ich muss jetzt erst mal zwei Groschen in die Doofe-Sprüche-Kasse werfen). Toleranz und Respekt auch vor Minderheiten zeigt sich eben nicht nur darin, wie der Chef handelt, sondern ist eine Frage der Unternehmenskultur. Drei Verwaltungsratsmitglieder sind aus Protest gegen seine Ernennung zurückgetreten. Eine Gruppe von Mozilla-Mitarbeitern hat ihren neuen Chef per Twitter aufgefordert, zurückzutreten. Das zeigt: Der neuen Mozilla-CEO mag ein politischer Reinfall sein, Mozilla als Organisation aber ist liberal und tolerant und mutig genug, dass auch zu bekennen und danach zu handeln. Die freie Welt braucht keine Menschen wie Brendan Eich, aber sie braucht Menschen wie die, die bei Mozilla für eine bessere Welt kämpfen. Und die werde ich nicht boykottieren.

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