Ich würde dem Polizisten ja vertrauen, aber…

Als ich vorhin den etwas beunruhigenden ZEIT-Artikel zum Fall »Emöke K.« las, dachte ich über das Vertrauen nach, dass man so allgemein in die Polizei haben kann.

„Dienstausweis Polizei Hamburg“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dienstausweis_Polizei_Hamburg.jpg#mediaviewer/File:Dienstausweis_Polizei_Hamburg.jpg

„Dienstausweis Polizei Hamburg“. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons

Dabei fiel mir auf, dass ich noch nicht einmal einen echten von einem gespielten Polizisten unterscheiden kann… Das hieße, jeder, der sich eine einigermaßen Glaubhafte Verkleidung besorgt, könnte mich überwältigen und mitnehmen – nicht sehr beruhigend.

Also beschloss ich, mich mal schlau zu machen, woran man einen Vollzugsbeamten wirklich erkennen kann: Der Dienstausweis. Es gibt dazu einen Wikipedia-Artikel, der allerdings zur Qualitätsverbesserung vorgesehen ist. Er enthält den schönen Satz:

Die Ausweise sind bei jeder Polizei unterschiedlich.

Bravo. Anstatt eine anständige Trust-Chain aufzubauen, wo der Bürger einmal einen Ausweis verstehen muss um damit klar Polizisten von Faker unterscheiden zu können, macht man das System derart kompliziert, dass kein Mensch ernsthaft einen legitimen Beamten von einem Verbrecher unterscheiden kann. Danke auch.

Ich soll der Polizei vertrauen? Das kann ich  nicht, wenn ich nicht einmal ihren Beamten vertrauen kann, überhaupt Polizisten zu sein.

NRW

Um aber wenigstens ein wenig vorbereitet zu sein, habe ich dann mal geschaut, wie denn ein Polizeidienstausweis in NRW aussieht. Die Seite, die die Polizei NRW anbietet, ist aber wenig geeignet, mein Vertrauen für die Echtheit der angezeigten Muster zu gewinnen:

Seite der Polizei NRW zum Polizeitdienstausweis

Seite der Polizei NRW zum Polizeitdienstausweis

Ja, okay – da ist eine Abbildung, damit ich »unechte Ausweise sofort erkennen« kann; Bloß stellt diese Seite, offenbar gedacht, um mein Vertrauen zu gewinnen, keine Identitätsdaten zu Verfügung. Im Klartext: Jeder Hampel könnte diese Seite aufsetzen und mir weißmachen, so sähe der Polizeidienstausweis in NRW aus. Dass die Seite auch noch in den USA gehostet wird… Nun ja, sei’s drum.

Fazit

Ich habe wirklich versucht, Vertrauen in die Polizei zu gewinnen, aber durch umständlich viele verschiedene Ausweise, die ich nicht alle lernen kann, und das Nicht-Sinnvoll-Zur-Verfügung-Stellen von Informationen darüber, wie eine Ausweis (zumindest in NRW) aussieht, kann ich – falls jemand mir gegenüber behauptet, Polizist zu sein – das de facto nicht überprüfen. Was bei einem Träger hoheitlicher Aufgaben ein ernstes Problem sein kann.

Gerade bin ich ein wenig entsetzt; So kann ein Rechtsstaat nicht funktionieren.

Ein Gedanke zu “Ich würde dem Polizisten ja vertrauen, aber…

  1. Das mit den unterschiedlichen Ausweisen ist wohl Artefakt eines eigentlich begrüßenswerten Gedanken: Nach den Erfahrungen mit Gestapo und Co im 3. Reich wurden die meisten Polizeiaufgaben in der BRD bewusst nicht auf Bundesebene gebündelt, sondern auf die Länder aufgeteilt. „Die Polizei“ gibt es also gar nicht, sondern einen Haufen Länderbehörden plus Bundespolizei. Das sollte einen eventuellen Machtmissbrauch durch die Bundesregierung erschweren. (Aus ähnlichen Gründen können Merkel und Co ja auch nicht die Lehrpläne an den Schulen bestimmen.)
    Klar wäre eine Angleichung der Ausweise wünschenswert (und wahrscheinlich auch billiger), aber der Nachteil am Förderalismus ist halt, dass es ein ganz schöner Kraftakt ist, einen Haufen Länderbehörden zur Zusammenarbeit zu bewegen.

    Das mit dem Hosting der Polizei-NRW-Website ist tatsächlich stümperhaft, aber wenn Du ganz sicher wissen willst, wie ein echter Ausweis aussieht, gibt’s wohl eh nur eine Lösung: Geh bei der nächstgelegenen Polizeiwache vorbei und bitte einen Beamten dort, Dir einmal seinen Ausweis zu zeigen. Das ist aussagekräftiger als jedes Online-Foto und Du kannst dabei auch gleich auf die im Artikel angesprochenen Kritikpunkte hinweisen.

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