#Niklas und der Mob

Man könnte sicherlich lange, ausführliche Artikel zum Fall des totgeprügelten Jungen aus Bonn schreiben (das werden viele andere auch tun). Und man kann sich mit der Rezeption des Falls in sozialen Medien auseinandersetzen (das werden noch mehr Menschen tun). Nachdem ich in meiner Twitter Timeline sah, was zum Hashtag #Niklas geschrieben wird, überkam mich zunächst das Bedürfnis, mich differenziert und umfassend mit dem deutschen Jugendstrafrecht, dem Einfluss von Sozialisation und Herkunft auf Gewalt, der Unterscheidung von Totschlag und Mord, dem Sinn von Bewährungsstrafen, dem Schutz der Persönlichkeitsrechte von Beschuldigten und einigen anderen Themen zu befassen.

Dann habe ich mir angeschaut, was außerhalb meiner Twitter-Filter-Bubble geschrieben wird. Auszüge:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich verzichte also auf jegliche differenzierte Auseinandersetzung (sie erscheint mir sinnlos), und fasse ganz subjektiv und verallgemeinernd zusammen…

Ihr beschissenen Wixer ekelt mich an.

3 Gedanken zu “#Niklas und der Mob

  1. Puh, harter Tobak, den man zu dem Thema findet. Aber wäre es nicht besser den Dialog mit den Verfassern solcher Kommentare zu suchen? Woher haben sie diese restriktive bis verachtende Sichtweise? Was passiert aus ihrer Sicht wenn ein Mensch mit “richtiger” Hautfarbe oder Herkunft eine solche Tat begeht? Ignorieren sie das? Ignorieren sie wiederum die Gewalttaten eben auch im Umkehrschluss, die vor einem rassistisch motivierten Hintergrund geschehen? Ich weiß: Das ist schwierig. Aber es hilft nichts: Der Täter ist ein Mensch, seine Tat ist dabei aber monströs. Die Anklagenden auf Twitter sind auch nur Menschen, ihre Worte wiederum sind auch monströs. Dieses Ungleichgewicht muss bewusst werden denn mit den Forderungen und Schlussfolgerungen begeben sie sich auf ein sehr gefährliches Terrain. Das nun anklagend zu formulieren geschieht aus Zorn und Frustration, absolut verständlich. Nachdem sich aber der Staub eigener Entrüstung gelegt hat sollte man dennoch die Kommunikation suchen, oder nicht? Vielleicht merken ja dann Einige WAS sie dort geschrieben haben.

    • Ich finde deine Ansichten löblich; Aber mit Leuten zu diskutieren, die ein derart verqueres Welt-/Menschen-/Realitäts-/Politikbild haben, ist in meinen Augen nicht besonders zielführend. Was willst du denen sagen?

      • Gute Frage, Philipp. Ich überlege schon länger wie man Menschen erreichen kann. Es ist nicht einfach! Vorzugsweise versuche ich in Gesprächen zunächst den Standpunkt konkreter herauszuarbeiten. Das bedeutet auch festzustellen, ob nicht ein anderer Grund für diese sehr heftigen Worte vorliegt. Wut? Enttäuschungen? Frustration? Diese Verallgemeinerungen und Weissagungen sollte man versuchen ins Bewusstsein zu rufen. Das ist natürlich auch ein riskantes Vorgehen. Wenn vorab bereits klar ist, dass nur abgewunken wird – nun dann würde ich auch keine Energie mehr investieren und die Diskussion stehen lassen, vorzugsweise mit dem Hinweis, dass es aber natürlich auch jederzeit anders gehen könnte. Wie gesagt: Ich kann deine Wut und deinen Ärger absolut nachvollziehen. Auch ist deine Reaktion nicht unangemessen, aber wir müssen einander (also gesellschaftlich) noch irgendwie in die Augen schauen können. Die wirklichen Demagogen sind dabei schon längst in den Hintergrund getreten wie mir scheint. In den letzten Monaten haben wir dank PEGIDA beispielsweise extreme Angst- und Panikmache erlebt. Keine Frage: Unter den vielen Menschen aus anderen Gebieten dieses Planeten sind mit Sicherheit auch einige zweifelhafte Individuen, aber sie sind einzeln und singulär. Wenn sich Gruppen bilden, keine Frage, das ist auch schlecht, ändert aber nichts daran am Bezug „Gruppe“ zu „Volk“, allein von den Grössenverhältnissen. Ich würde also versuchen dieses „Schema der Angst“ aufzubrechen und zu hinterfragen. Wo liegen die Quellen für diese Angst? Woher kommen die Sachbezüge für die Urteile? Und was können wir gemeinsam machen, um das zu ändern? Ein Mensch aus Marokko will doch auch in Frieden leben und nicht unter Kriminellen sein Dasein fristen. Zwingen wir ihn aber kriminell zu werden – weil wir alles „billiger“ haben wollen und Unternehmen noch mehr Gewinne auspressen beispielsweise – dann müssen wir mit den Folgen unseres eigenen Handelns leben und dann wieder von vorne beginnen und Fragen stellen. Egal wie wir das drehen: Wir sitzen mit ihm Boot. Und das versuche ich in derlei Gesprächen zu vermitteln – wobei ich natürlich auch meine Gedanken habe oder auch direkt koche vor Wut und Ärger. Sollte es dann wirklich arg und heftig werden kann ich genau Letzteres ebenso als Reflektion zeigen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.